Bei den anderen Kindern hatte Stephan einen schweren Stand.
Einmal fesselten sie ihm in Fritschs Garten die Hände auf dem Rücken, zogen ihm seine Mütze über die Augen und stellten ihn mitten in ein Erdbeerbeet.
"Wenn du dich bewegst, dann verkloppen wir dich."
Also stand er eine lange Zeit ganz still da.
Schließlich wagte er es, die Hände aus den Fesseln zu befreien. Heimlich und ohne sich viel zu bewegen.
Er wusste ja nicht, ob sie noch um ihn herum standen.
Es war ganz still.
Vielleicht ein Trick?
Stephan löste langsam seine Hände vom Rücken.
Nichts geschah.
Er führte vorsichtig die rechte Hand zum Gesicht, um die Mütze von den Augen zu schieben. Er hatte große Angst, dass sie noch um ihn herum standen.
Aber alles blieb ruhig.
Er schob die Mütze von den Augen.
Scheinbar war er allein im Garten.
Standen die Kinder hinter dem Schuppen? Warteten sie nur darauf, dass er sich bewegte um über ihn herzufallen? Stephan konnte die Situation nicht mehr ertragen. Die Angst sollte aufhören, egal wie.
Er lief los, so schnell er konnte. Durch die Hintertür aus dem Garten hinaus. Niemand folgte ihm.
Nachdem er den Feldweg und damit öffentliches Gelände erreicht hatte fühlte er sich etwas sicherer. Trotzdem rannte er weiter. Aber wohin?
Vor Bendraths Haustür würden sie Stephan vielleicht erwarten und wieder gefangen nehmen oder gleich verprügeln. Er konnte also nicht nach Haus.
Er lief durch die halbe Stadt zum Geschäft seines Onkels. Er lief so schnell, dass ihm schlecht wurde.
Sein Onkel rief gleich Mama Bendrath an. Sie kam und holte Stephan ab.
Er musste erzählen, was passiert war, weil ihm keine andere Erklärung für sein Verhalten einfiel. Er schämte sich für das, was ihm widerfahren war.
Sein Vater stellte die Nachbarskinder später auf dem Spielplatz zur Rede.
Stephan stand neben ihm und hielt sich die ganze Zeit an seiner Hand fest.