Morgens kam immer der Milchwagen. Das Erlebnis des Vormittags. Die ganze Nachbarschaft kam zusammen, besprach die neusten Neuigkeiten und lästerte über Abwesende.

"Haben sie die Jungclaus eben gesehen? Der Ingo hat ihr doch wieder eine gescheuert. Seine 5 Finger konnte man richtig auf ihrer Backe sehen."

"Na ist ja auch kein Wunder. Bei der Frau würde mir die Hand auch ausrutschen."

"Und er wäscht sich ja nicht. Die Ohren, also da kann man richtig den braunen Schmalz rauskommen sehen. Und mittags schon dun."

"Ich sage ihnen: verwahrlost."

Plötzlich ruft der kleine Stephan dazwischen:

"Mama, guck mal, ich hab´ eine Zigarre!"

Seit mehreren Tagen lag eine Hundewurst am Zaun. Sie fiel auf, weil sie ganz weiß war und kalkig. Dieses Stück Hundekot hatte Stephan aufgehoben und sich in den Mund gesteckt.

"Guck mal. Ich rauch Zigarre wie Onkel Röhrs!"

"I pfui! Schmeiß das mal weg!"

"I gitt! Gucken sie mal, der Kleine!"

Die gesamte Aufmerksamkeit der Anwesenden wendet sich vom Verkaufsfenster des Milchwagens ab und Stephan zu.

"Junge, da wirst du krank von!"

Stephan weint bitterlich. Warum schimpfen jetzt alle mit ihm? Seine Mutter bricht den Enkauf ab und begleitet ihn nach Haus.

"Also der Lütte! So was hab ich ja noch nicht erlebt!" sagt der Milchmann.

"Na, sein Vater, der hat den tiefen Teller auch nicht erfunden!" sagt die alte Frau Ruschmeyer.

"Das können sie aber laut sagen! Also, da muss ich ihnen was erzählen ..."

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Detlef Cordes:
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