Ein großes Problem in der Schule ist, dass Stephan seinen Schnürsenkel nicht zumachen kann. Er geht in die 2. Klasse und kann noch keine Schleife.
Und nun ist sein Schuh offen! Er weiß nicht, was er mit dem Schnürband machen soll. Bald werden die anderen es sehen und ihn hänseln.
Er fragt Gaby Krug, ob sie eine Schleife kann.
"Klar kann ich eine Schleife."
Weil sie gut in Lesen und Schreiben ist, denkt Stephan, dass sie nicht so wie die anderen Kinder ist, sondern mehr wie seine Mama. Mama ist klug und man kann mit ihr über alles reden.
Er glaubt: Wer klug ist, ist auch lieb und verständnisvoll.
Stephan bittet Gaby, ihm schnell eine Schleife in den Schuh zu machen, bevor die anderen etwas merken. Aber sie ziert sich. Zur Belohnung soll er ihr eine ganze Woche lang den Ranzen nach Haus tragen. Das kann er nicht machen. Dieser Preis ist zu hoch. Seine Schulkameraden werden das sehen und ihn auslachen.
Schließlich beschließt er, es wie der böse Wolf zu machen: Er gibt Gaby sein Ehrenwort, dass er eine Woche lang ihren Ranzen nach Haus tragen wird. Wenn der Schuh erst zugebunden ist, wird er weiter sehen.
Aber es ist zu spät. Ein Haufen Kinder tanzt und schreit um sie herum. Gaby bückt sich und macht ihm genüsslich grinsend eine Schleife in den Schnürsenkel.
Die anderen Kinder grölen.
Dann steht sie auf und spuckt ihm mitten ins Gesicht. Dabei ist sie so klug und so eine gute Schülerin! Mama hätte so etwas nie getan!
Die anderen fangen an, ihn zu schubsen und er fällt zu Boden. Sie geben Stephan ein paar Tritte, aber dann klingelt es und die Pause ist vorbei.