Die Kameraden nennen Funker Koblank "Fuko".

In der Nacht erwischt ihn Funker Hansing beim Brotklauen und meldet das natürlich sofort beim Alten. Die Jungs haben alle furchtbaren Hunger.

Aber Hansing hätte doch besser die Schnauze gehalten, denn was sollte der Alte wohl machen? Im November 1944 gibt es bei der deutschen Wehrmacht auf Kameradendiebstahl nur ein Urteil: den Tod.

Fuko wird standrechtlich erschossen und zwar von den fünf Kameraden, die mit ihm auf der Stube liegen.

"Hansing, du Arsch! Hätt´ste nicht gepetzt hätten wir ihm ordentlich auf die Fresse gegeben und das wär´s gewesen. So was regelt man unter sich!" schimpft der Mann, der bald Papa Bendraht sein wird.

"Nee, nee! Die Sau hat uns die Ration weggefressen! Dem war doch auch scheißegal ob wir krepieren oder nicht! Wir schieben hier tierisch Kohldampf und der macht so was! Leute, der hat uns so was von am Arsch gehabt - und jetzt haben wir ihn am Arsch. Ne´ Kugel ist noch viel zu schade für den!" rechtfertigt sich Funker Hansing.

Im Morgengrauen tritt die Kompanie an. Die fünf Stubenkameraden müssen Funker Koblank vorführen und an den Pfahl binden. Fuko wehrt sich mit Händen und Füssen und ist selbst von fünf Mann kaum zu bändigen.

Der Mann, der bald Papa Bendrath sein wird gehört dazu. Als Fuko schließlich stramm gefesselt am Pfahl steht legt er ihm ein dunkles Tuch um die Augen.

Koblank schreit die ganze Zeit: "Mama, Mama! Ich will nicht sterben!"

Seine Hose ist vollkommen verschmutzt. Er hat sich von oben bis unten eingekotet und eingenässt.

Der Hauptmann lässt die fünf Schützen im Abstand von einigen Schritten Aufstellung nehmen.

"Damit das klar ist, Männer: Sie schießen alle auf das Herz. Wir können nachher genau feststellen, wer daneben geschossen hat. Der hat einen Befehl verweigert und steht als nächster am Pfahl. Verstanden?"

"Jawohl, Herr Hauptmann!"

Während der ganzen Zeit schreit Fuko nach seiner Mama. Alle sind froh, als der Befehl endlich ausgeführt ist und es still wird.

Mittags kann Papa Bendrath nichts essen. Obwohl er mörderischen Hunger hat ist sein Hals wie zugeschnürt. Er muss immer daran denken, dass Fuko ihm vorgestern zum Appell einen Uniformknopf geliehen hat. Den kann er nun niemandem mehr wiedergeben.

"Guckt mal Leute, Susi Bendrath ist die Sache heute morgen auf den Magen geschlagen. Mamas Junge mag nicht mehr! Kannst mir gerne deinen Fraß geben, wenn du als nächster ins Grass beißen willst."

Natürlich hat Papa Bendrath später wieder gegessen. Aber Fukos Schreie hört er bis heute immer wieder - vor allem, wenn er seinen Mantel zuknöpft

____________________
Detlef Cordes:
©2008 Detlef Cordes - Alle Rechte vorbehalten
Jede unauthorisierte Vervielfältigung oder Veröffentlichung ist verboten. >>Kontakt